Für Berufsorientiererinnen, Berufsberaterinnen und andere Menschen – Reflexion

Für Berufsorientiererinnen, Berufsberaterinnen und andere Menschen – Reflexion <br><img class="text-align: justify" src="https://bildungswissenschaftler.de/wp-content/uploads/2013/07/praxis_120.png"/><img class="text-align: justify" src="https://bildungswissenschaftler.de/wp-content/uploads/2014/08/meinung_120.png"/>

Des flüssigen Lesens willen ist der Text nur in der weiblichen Schreibweise geschrieben. Gemeint und angesprochen sind selbstverständlich alle Menschen.

Vorweg eine hinzugefügte Bemerkung: Das Ziel des Beitrages ist in meinen Augen, dass man sich und sein Handeln reflektieren kann und sich Dinge bewusst machen kann oder eben nicht. Ich möchte dafür werben, Handlungsspielräume zu nutzen. Es geht mir in keinster Weise darum, in einem Rundumschlag Menschen eine schlechte Leistung zuzuweisen. Auf keinen Fall ist das meine Absicht. Es ist mir völlig klar, dass dieser Beitrag entsprechend aufgefasst werden kann. Es ist ein Spannungsfeld.

Kennen Sie Amelie Poulain? Eine sehr gute, manchmal naive Beobachterin, die zugewandt und aufmerksam durchs Leben geht und versucht, allen zu helfen. Sie würde es so ausdrücken:

  • Was ich mag sind Menschen, die mir zuhören.
  • Was ich nicht mag sind Menschen, die anderen helfen möchten, damit sie sich selbst besser fühlen.
  • Was ich mag sind Menschen, die mich ernst nehmen, mein „sein“ akzeptieren und respektieren.
  • Was ich nicht mag sind Menschen, die glauben das Recht zu haben, anderen Menschen aufzuerlegen, was sie zu fühlen oder zu tun hätten.
  • Was ich mag ist, autonom zu sein.
  • Was ich nicht mag sind Menschen, die sich für mehr Wert halten als mich.

Dieser Beitrag soll zum Nachdenken anregen. Er ist für alle geschrieben, die versuchen, andere Menschen beruflich zu orientieren oder zu beraten. Dabei möchte ich auf jeden Fall diejenigen in den Fokus nehmen, die der Beratung und Orientierung hauptberuflich nachgehen. Für diejenigen, die es prima machen, für diejenigen, die noch lernen und üben müssen, aber auch für diejenigen, die hier nicht hauptberuflich unterwegs sind – denen es aber gefällt zu beraten und zu orientieren. Sie alle dürfen sich hier gerne reflektieren. Fragen Sie sich einmal, ob Sie für sich die Beschreibung mit den Worten von Amelie auch beanspruchen.

Der Zustand

In meiner Wahrnehmung ist es deutlich. Wären die Zustände in der Berufsorientierung nicht so defizitär und teilweise so katastrophal wie sie sind, bräuchte es meinen Beitrag nicht. Das liegt nicht an einzelnen Menschen, sondern an der Systematik an sich. Er entstand aus vielen Jahren der Beobachtung von Berufsorientierung und Berufsberatung. An Berufsorientierung sind viele Menschen beteiligt – wie zum Beispiel Lehrerinnen, Eltern, Beraterinnen in Arbeitsagenturen, Jobcenter, Mitarbeiterinnen von Bildungsträgern im Übergangssystem, Firmeninhaberinnen – um nur einige zu nennen. Auch Schüler und Schülerinnen sowie deren Peer Groups üben sich in Berufsorientierung – allerdings etwas anders als die Erstgenannten. Selbstverständlich gibt es allenthalben gute und innovative Ansätze – oftmals auch als Förder- oder Modellprojekt ausgeführt.

Dieser Beitrag kommt ungefiltert aus meinem Bauch heraus und ich schreibe einfach ohne viel nachzudenken oder zu korrigieren. Er ist markiert als „Meinung“, als meine Sichtweise auf das System. Er soll auch zu Ihrer eigenen Reflexion dienen können – sofern Sie das möchten- Und er soll schwierige Kontexte konkret benennen – und ja, in Teilen wird der Beitrag auch bewerten.

Wenn mein Text bewertet ist mir klar, dass er auch als ungerecht denen gegenüber verstanden werden kann, die sich so stark für unsere Kinder und Jugendlichen ** einsetzen und sich selbst hier zum größten Teil nicht wiederfinden. Wenn das so sein sollte, kann es eine gute Sache sein, darüber nachgedacht zu haben und sich bestenfalls bestätigt zu wissen.

Zuhören ist etwas Aktives. Warum ist zuhören so wichtig?

Vor anderem möchte ich in einem ersten Schritt erläutern, warum zuhören so wichtig ist. Zuhören ist einer der relevantesten Eigenschaftsmerkmale von Beratung und Orientierung.

Schauen Sie einmal in sich hinein und überlegen einmal, wann Ihnen einmal jemand überhaupt nicht zugehört hat. Können Sie sich erinnern, was das für ein Gefühl war, als Ihnen überhaupt nicht zugehört wurde? Im Gespräch erhalte ich oft diese antworten: „Ich fühlte mich…. Abgewertet …wütend …kalt …enttäuscht …traurig“.

Nun überlegen Sie bitte, wann Ihnen jemand intensiv zugehört hat. Was war das für ein Gefühl, als Ihnen intensiv zugehört wurde? Hier berichten Menschen, sie fühlten sich: „…erkannt/anerkannt …angenommen …warm …respektiert …wertgeschätzt …verstanden …verbunden …bestätigt“.

Sprechen Sie Ihr Gefühl einfach einmal laut aus. Und woran haben Sie eigentlich gemerkt, dass Ihnen zugehört wurde? Kinder berichten fast durchweg, dass sie es an den Augen erkennen konnten. Wir sehen also, das Zuhören der Gesprächspartnerin etwas sehr Angenehmes, wertschätzendes, schönes und für Menschen notwendiges gibt.

Achten Sie auf die Effekte von Multioption!

Wir orientieren unter anderem, weil es so viel Auswahl gibt. Multioption ist ein Begriff dafür, dass Menschen eine so große Vielzahl an Möglichkeiten zur Verfügung steht, sodass eine Entscheidung schwer möglich ist und aufgrund von Überforderungseffekten zu inneren und äußeren Konflikten führen wird. Darunter fallen beispielsweise Orientierungslosigkeit, Hilflosigkeit, Unsicherheit, Angst, Rückzug, Aggression oder auch mangels Verständnisses ein starkes Kritikverhalten. Berufsorientierung in Deutschland ist ein Musterbeispiel für Multioption.

In Deutschland kann man beispielsweise zwischen ca. 350 Berufen in Industrie und Handwerk, 14 grünen Berufen sowie unzähligen Pflege- oder Gesundheits- oder Rechtsberufen wählen. Und dazu darf man sich allein in NRW zwischen 2150 Bachelor und 2135 Masterstudiengängen entscheiden (Stand 3/2020).

Seien Sie sich bewusst, dass dies ohne Kenntnis seiner eigenen Person, seiner Stärken und eines starken Selbstbewusstseins kaum möglich ist. Im Weiteren ist anzuerkennen, dass die Menschen oftmals nur eine potenzielle Wahl haben. So kann eine Schülerin zwar einen Beruf wählen, wenn Sie aber eine Erlaubnis benötigt den Beruf zu erlernen (zum Beispiel einen Schulabschluss), dann hat sie de Facto eine geringere oder keine Wahlmöglichkeit mehr.

Multioption wünscht sich folgenden Menschentyp:

„Am reibungslosesten fügt sich die multioptionale Gesellschaft in die postmoderne Mentalität ein. Sie ist bestimmt durch die Grundorientierung an ständiger Neuorientierung. […] Multioptionalität, Experimentierfreue und ein Leben in Paradoxien kennzeichnen eine solche Existenz.“ Sinus Sociovision.

Jetzt hören Sie einmal in sich hinein. Wie finden Sie das? Einer der Möglichkeiten, diesem zu begegnen ist Normierung. Einfach damit wir hier noch irgendetwas handhaben können. Multioption liebt Normierung – und das ist, was wir erleben. Normen wir den Nachwuchs. Pflanzen wir ihm das alles ein und sortieren wir die Menschen dann so, wie das System es braucht. Dann haben wir den Eindruck von Kontrolle. Und Institutionen können das für Ihre eigenen Ziele nutzen. Ausbildungsreife, Ausbilderscheine oder auch von Seiten der Kammern ausgesprochene, widerrufliche Ausbildungsberechtigungen sind beispielsweise solche Arbeitsinstrumente. (wer mehr dazu wissen möchte, findet hier und hier weitere Infos).

Haben Sie das schon einmal erlebt?

Ein Beispiel, wie es in einem Mensch aussehen kann, der sich in der Berufsorientierung befindet – ja, ich möchte sagen in einer bestimmten Form auch zwangsorientiert wird * – können Sie im Folgenden lesen:

Im kleinen Kreis wird Ihnen erläutert, wie wichtig eine Berufsentscheidung ist. Sie entscheidet über das zukünftige Leben und sie soll über Erfolg und Misserfolg im Leben entscheiden (merken Sie schon einen Widerstand?) Und nun kommen noch mehr Leute auf Sie zu und erklären, wie wichtig ihre Entscheidung für das gesamte Leben ist. Aber sie sollen schnell entscheiden. Man lässt sie nicht in Ruhe. Sie können sich nicht wehren, fühlen sich fremdbestimmt. Manche berichten, es schreit schon im Kopf. Ihre Autonomie wird langsam weiter eingeschränkt. Man erläutert Ihnen, nur das Beste zu wollen. Sie werden ständig belehrt und beschuldigt, wenn Sie nicht das geben, was die anderen sich vorstellen. Und Sie haben auch die Schuld an dem Ganzen, weil Sie nicht richtig kooperieren.

Was würde dieser Zustand bei Ihnen für ein Gefühl auslösen? Wenn Sie es nicht verhindern können, was würde Ihnen in der Situation helfen? Was würde es einfacher für Sie machen? Schreiben Sie Ihre Antworten gerne auf – oder in die Kommentare.

Und nun dürfen Sie sich vorstellen, dass dies ein häufiger Zustand von Kindern und Jugendlichen ist (über einen langen Zeitraum und in einer Zeit, in welcher die Entwicklungspsychologie von einer Identitätsfindungsphase spricht), die sich in der Berufsorientierung befinden. Kaum zu glauben? Hier der Versuch einer kleinen Liste all der Ratgeberinnen und Berufsorientiererinnen, die auf unsere Kinder und Jugendlichen einwirken:

  • Lehrerinnen
  • Spezielle Lehrerinnen (z.B. Stubos)
  • die Peer Group der Schülerinnen
  • die Eltern
  • Oma, Opa
  • die Mitarbeiterinnen der Agenturen für Arbeit und der Jobcenter
  • Kommunen
  • Unternehmen
  • Beratungspersonal für “besondere” Jugendliche
  • Bildungsdienstleister in der Berufswahl
  • Projektstrukturen (z.B. Jobstarter)
  • Ausbildungsvermittler zum Beispiel von Kammern oder Arbeitgeberverbänden
  • Berufskollegs/Berufsfachschulen
  • Maßnahmeträger zur Ausbildungsförderung (z.B. BVB, EQ etc.)
  • Private Vermittler
  • Mentoren
  • Medien (z.B. Radio etc.)
  • Ehrenamt
  • Sozialpädagogen
  • Integrations- und Inklusionsstrukturen
  • konfessionelle Strukturen
  • weitere…

Eine stramme Liste ohne Gewähr auf Vollständigkeit.

Beratungsqualität

Vor der Beratung kommt die grundsätzliche Haltung zu den Ratsuchenden. Üblicherweise sind Ratsuchende freiwillig vor Ort – anders als in weiten Teilen der Berufsorientierung *. Denken Sie daran, dass es nur einen Unterschied zwischen Ihnen und einem Jugendlichen gibt. Das ist Ihre Erfahrung in Ihrem Leben, welche Sie für sich nutzen oder genutzt haben. Sie hatten die Möglichkeit mit Ihren Erfahrungen Schlüsse für sich zu ziehen und da Sie wahrscheinlich noch ein paar Jahre vor sich haben, werden auch Sie noch neue Erfahrungen machen. Nur Ihre bisherige Erfahrung fehlt den Jugendlichen. Die Crux ist allerdings, dass Ihre Erfahrungen so gut wie keinen Eingang in die Entwicklung von anderen finden können.

Ihre persönlichen Bedürfnisse entsprachen und entsprechen nicht denen anderer Menschen. Das gilt auch für andere Beteiligte oder spezielle Bedürfnisse von Institutionen. Sätze wie „so muss das aber sein“, „das ist nichts für dich“ oder „das muss man so und so machen“ sind in meinen Augen nicht in Ordnung. Das hört sich hart an und ich verstehe, wenn das ein schlechtes Gefühl bei Ihnen erzeugt. Aber fragen Sie sich selbst. Welches Gefühl haben Sie, wenn man Ihnen solche absoluten Sätze entgegenbringt? Viele Menschen berichten von einem Widerstandsgefühl – in der Kommunikation heißt das „Polarity Responding“.

Mir wird oftmals berichtet, die eigene Arbeit erlaubt es nicht, sich an all die Hinweise zu halten. Das verstehe ich gut. Ich bin aber der Meinung, dass auch in Ihrem Rahmen Handlungsspielräume existieren. Sie können Menschen so beraten und orientieren, wie Sie es beispielweise institutionellen „Vorgaben“ nachreden. Sie können aber auch versuchen, die Möglichkeit zu bieten, dass sich andere Menschen in deren Bedürfnissen zurechtfinden und diese benennen zu können. Es ist möglich, die Ratsuchenden in die Lage zu versetzen, eigene Wege in dem Dickicht der überfordernden Auswahl zu finden. Wenn Sie individuelle Entwicklung von jungen Menschen fördern wollen, gestehen Sie möglichst individuelle Möglichkeiten zu.

Das Mittel der Wahl ist Kommunikation – professionelle Kommunikation. Kommunikation ist Maß der Dinge und entscheidend für Beratungsqualität. Unter diesem Link finden Sie Hinweise, was gute Beraterinnen auszeichnet. Machen Sie ruhig ein wenig Pause und lesen Sie den Beitrag – es lohnt sich!

Warum sind Bewertungen zu vermeiden

Wer bewertet, muss verstanden haben. Andernfalls hat die Bewertung keine Grundlage. Die Hermeneutik meint, dass ein Ergebnis der Wirklichkeitskonstruktion bei einem Nachrichtenempfänger ein anderes als das ist, was der Sender gemeint hat.

„Jeder meint, dass seine Wirklichkeit die wirkliche Wirklichkeit ist. Der Andersdenkende ist kein Idiot, er hat sich eben eine andere Wirklichkeit konstruiert.“ Paul Watzlawick sagte damit, dass Verstehen und Verständnis durchaus komplexer sind als gemeinhin angenommen – einfach, weil jeder Mensch sie sich selbst unbewusst konstruiert. Auch die neuere Forschung geht in die gleiche Richtung. Das zurzeit bekannte Wissen um die Wirklichkeitsbildung im Gehirn weist darauf hin.

Verstehen ist das inhaltliche Begreifen von Sachverhalten durch Beobachtung und Kommunikation (Kenntnisnahme) sowie mentaler Erfassung eines Kontextes, in dem der Sachverhalt steht (Auflösung Komplexität). Dies entscheidet über die Realität des Einzelnen, da Botschaften kognitiv mit vorhandenen, eigenen „Wirklichkeiten“ vermischt werden. Verstehen verändert damit die Realität und führt zur Konstruktion eben der eigenen Wirklichkeit. Wer versteht, kann in Folge mit den Dingen einverstanden sein und sich einen Sinn erklären. Wenn ein Mensch versteht, muss er nicht mitgenommen werden, sondern geht ganz von allein mit. Das folgende Bild erläutert die Eigenschaftsmerkmale des Musters „Verstehen“. In der Beratung und Berufsorientierung ist das Verständnis der Rat gebenden der wesentliche Punkt.

Wenn Jugendliche sagen, sie wollen mit wenig Arbeit schnell Geld verdienen, sie wollen Urlaub machen, eine Wohnung haben oder gar ein Haus. Möglicherweise ein Auto oder sie wollen auch viel Freizeit und Reisen. Was löst das bei Ihnen aus? Ich selbst bin jetzt 55 und „Downshifter“. Ich arbeite seit einigen Jahren weniger als früher. Ich wohne in einer schönen Mietwohnung, habe ein Auto und zwei kleine Kinder. Ich gebe zu, ich lebe den Jugendlichen etwas vor. In vielen Gesprächen mit Kolleginnen und anderen vernehme ich immer den Wunsch, so etwas auch tun zu wollen. Und anstelle das wir alt werden, werden wir wieder jung. Ich habe den Eindruck, wir wollen eigentlich alle das gleiche.

Ich meine, die Jugendlichen verhalten sich alle auch nach den ihnen zur Verfügung stehenden Rahmenbedingungen. Es wäre sehr gut, jeden Menschen, der vor einem steht, als relevant und wichtig zu sehen. Natürlich sind sich nicht alle sympathisch und finden alles gut – aber es ist in meinen Augen verpflichtend, andere Menschen anzuerkennen, zu respektieren und wahrzunehmen. Klar enttäuschen uns auch Jugendliche. Allerdings tun das auch viele Erwachsene – vielleicht sogar mehr noch, weil wir Erwachsenen gewitzt sind und durchaus auch berechnend enttäuschen können.

Handlungsempfehlungen

  • Seien sie authentisch und kongruent.
  • Geben Sie sich so, wie Sie sind.
  • Verhalten Sie sich wertschätzend.
  • Tun Sie das, was Sie sind. Alles andere bemerken Menschen in der Kommunikation – meist in Form eines seltsamen Gefühls, dass etwas komisch ist.
  • Machen Sie keinen auf „dicke Hose“, wenn es nicht so ist. Und wenn es so ist, lassen Sie es lieber.
  • Reflektieren Sie mit Ihrem Gegenüber das Besprochene.
  • Bewerten Sie die anderen Menschen (oder was sie machen oder denken) nicht.
  • Gewähren Sie allen Menschen deren eigene Wirklichkeit – so, wie Sie sich das ebenfalls wünschen. Bei Orientierungsfragen gibt es (das Wort sagt es schon) keine Wahrheiten oder absoluten Aussagen.
  • Wenden Sie sich den Menschen zu und hören Sie aufmerksam zu. Alle haben etwas zu sagen.
  • Gewähren Sie den anderen, Erfahrungen zu machen, damit es möglich ist, sich zu entwickeln.
  • Schließen Sie auf keinen Fall von Ihren Bedürfnissen auf die von anderen.
  • Fragen Sie die anderen konkret nach ihren Bedürfnissen und Wünschen.
  • Äffen Sie nicht irgendeine Jugendsprache oder ein bestimmtes Verhalten nach.
  • Haben sie Vertrauen.

Reflexionsfragen

  • Wie sind Sie zu Ihrer Arbeit gekommen?
  • Warum haben Sie gemacht was sie gemacht haben und wer hat Ihnen das gewährt?
  • Was haben Sie früher vermisst – als Sie beraten wurden?
  • Überlegen Sie, wann Ihnen Inkongruenz aufgefallen ist.
  • Sollten Sie Ihre Arbeit mögen, was treibt Sie an?

Schlusswort

Zusammengefasst soll es darum gehen, dass wir gemeinsam unserem Nachwuchs den Rahmen und die Möglichkeit bieten, sich entwickeln zu können. Alle müssen ihre Erfahrungen machen. Ein Schulabschluss oder ein Zertifikat, auf das heute so viel Wert gelegt wird (warum auch immer), entscheidet in keiner Weise über die Zukunft und die Zufriedenheit der Menschen. Schulabschlüsse sind was sie sind – der Nachweis einer Systemanpassung, eine Erlaubnis für Weiteres, aber sicher keine Befähigung oder ein Kompetenznachweis. Das ist auch wissenschaftlich gut beschrieben.

Es ist eine grundsätzliche Entscheidung: Sollen Menschen die Möglichkeiten haben, sich individuell zu entwickeln oder nicht? Dazu gehört auch zu erfahren, was passiert, wenn man nur passiv durchs Leben geht. Wir sollten den Jugendlichen nicht mehr abverlangen als uns selbst. Kindern sowieso nicht.

Wenn zum Beispiel individueller Schulunterricht, von dem viele Lehrer sagen, er wäre nicht möglich, ausbleibt, obwohl es aber Schulen mit gleichen Ressourcen an Geld und Personal erfolgreich durchführen, handelt es sich nur um eine Frage der Organisation und der Eigenverantwortlichkeit jedes Einzelnen. Ebenso erwarten wir von Schülerinnen, in allen Fächern gute Noten zu haben, wo es doch offenbar keinen Lehrer gibt, der jedes Fach vermitteln kann?  Konsequent gedacht, bräuchte es nur einen Lehrertyp – nämlich den, der aufzeigt wie man lernt – weniger was man lernt.

Aber auch ich unterliege mit meiner Meinung Konventionen. Wüssten wir es besser, gäbe es die ganzen Schwierigkeiten nicht, denn eine Lösung zeigt sich am Verschwinden des Problems.

Und wenn jemand fragt, warum ich solche Beiträge auf dem Blog schreibe. Ich möchte Blicke aus vielen Richtungen auf eine Sache ermöglichen. Was ich heute tue, ist meine Leistung – nicht die eines anderen Menschen. Die Leistung anderer mir gegenüber in meiner Biographie war aber das Gewähren, es tun zu dürfen. Das Gewähren meiner Wirklichkeiten und das Bereiten von Wegen, in denen ich mich entwickeln konnte.

Bieten wir den Jugendlichen also die Möglichkeit, sich unbewertet und eigenständig mit der Berufswahl zu befassen. Die Beantwortung der Sinnfrage für die jungen Menschen ist dabei zentral. Und diese Frage kann niemand anders beantworten als die Betreffenden selbst.

„Immer ist die wichtigste Stunde die gegenwärtige; immer ist der wichtigste Mensch, der dir gerade gegenübersteht; immer ist die wichtigste Tat die Liebe.“ Meister Eckhart (1260 – 1327)

* Berufsorientierung ist freiwillig. Allerdings ist sie gesetzlich verankert. Unter diesem Link finden Sie Informationen dazu. Allerdings ist gerade bei Minderjährigen die Zustimmung der Eltern notwendig. Hier sollten Eltern genau schauen, wie beispielsweise Ergebnisse von Tests an die Kinder und Jugendlichen kommuniziert werden.

** Kinder sind Menschen bis 14 Jahre, Jugendliche sind Menschen zwischen 14 und 18 Jahren, Heranwachsende sind Menschen zwischen 18 und 21 Jahren.

©2020 Achim Gilfert. Dieser Beitrag ist zur Weiterverbreitung nach den in diesem Blog veröffentlichten Regeln zum Urheberrecht veröffentlicht. Diese Regeln finden Sie hier: Urheberrechtshinweise.

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